Donnerstag, August 25, 2005

Montag, Juli 18, 2005

Warum sind die Menschen vor mir immer so langsam?

7:47 Uhr die eine Zeit, 8:15 Uhr die andere. Macht eine Differenz von 28 Minuten. Die eine Zeit, 7:47 Uhr, zeigt sich auf meinem Wecker und mir gleichzeitig Verdammt, zu spät! Außerdem Aufstehen! Sofort!! Und Kein Frühstück. Kein Duschen. Kein Deo! Halt, Stopp Stopp! Für Deo ist doch noch Zeit.
8:15 Uhr beginnt die Vorlesung. 28 Minuten brauch ich normalerweise für die Strecke Tür-Wohnung bis Tür-Vorlesung. Ohne den Luxus von Wasser im Gesicht, Zahnbürste zwischen den Zähnen, Nahrungsaufnahme inklusive Minimalration Koffein.
7:48 Uhr. Jetzt wird´s eng. Also raus! Decke weg, Hose von Gestern, T-Shirt vom Wäscheständer, Rucksack, Schuhe, Zahnpasta auf die Finger, Wohnungstür zu, auf zur U-Bahn.
Dieser Ablauf ist geprobt. Läuft dank unzähligen Trainingseinheiten wie geschmiert. Vorausgesetzt die U-Bahn lässt einen nicht im Stich und ich gebarde mich zudem noch als Aussteige-Einsteiger. D.h. Ich steige in die U-Bahn so ein, dass ich beim Aussteigen den kürzest möglichen Weg zur Rolltreppe zurückzulegen habe. Allerdings ist diese Technik in München weit verbreitet, so dass es in den ersten und letzten Waggons eher eng, muffig und warm ist. Aber immerhin man ist pünktlich, auch wenn man verschlafen hat. Wenn alles klappt und nicht der Faktor MM hineingerechnet werden muss: MitMenschen.
Sogenannte Mitmenschen gibt es um diese Uhrzeit leider auch schon und zwar zuhauf. Oft sind sie aber nicht Mit-Menschen, sondern Mitten-im-Weg-Menschen. Und sie befinden sich meist vor einem.
Es sind Menschen, die vor einem aufwachen, vor einem aufstehen, vor einem frühstücken und sich daher auch vor einem auf dem Weg sonstwohin in der U-Bahn befinden. Da sie dann meistens auch noch pünktlich sind, kennen sie keine Eile. Sie befinden sich also vor einem und sind vor allen Dingen langsamer! Zudem sind sie eine Kreuzung aus Mensch, Elefant, Hase und Schlange. Sind also egoistisch wie Mensch so ist, so elefantenbreit, dass man nicht vorbeihuschen kann, schafft man es dann doch rechts vorbei zu hüpfen, schlagen sie einen Haken in die gleiche Richtung, wechselt man nach links, schlängeln sie sich auch dorthin.
Man kommt nie und nimmer an Ihnen vorbei. Man ist hinter ihrem Hintern gefangen. Sie zerstören jeden noch so filigran ausgearbeiteten Ich-hab-verschlafen-und-will-trotzdem-pünktlich-sein-Plan.
Wenn man nun aber das Mittel der Kommunkation anwendet? Ergo die Person vor einem anspricht?
Alte, kleine, süße Damen sind schwerhörig. Kommunikation vergebens. Mein flehentliches Bitten hört die alte kleine süße Dame vor mir nicht. Sie ist auch zu gebrechlich, als dass ich ihre Arme mit denen sie sich auf beiden Seiten der Rolltreppe abstützt losreißen könnte. Über ihren Kopf hinweg sehen ich am unteren Ende schon die U-Bahn stehen. All meine Versuche an ihr vorbei zu kommen scheitern. Hoffnungslos. Die U-Bahn steht immer noch da. Nur noch einen Meter bis zum Ende der Treppe. Die U-Bahn steht, die Dame krallt und ich dahinter. Jetzt! Ja! Unten! Der U-Bahnfahrer tönt schon: Zusteign bittä! Die Oma löst ihren Stahlgriff. Meine Chance! Ich versuche links vorbei zu kommen, sie wankt. Ich verlagere mein Gewicht, sehe die rechte Seite frei. Sie schwankt zurück. Wieder links-vorbei! Drei Schritte, zwei, ein Kind!! Ich bremse. Will das Kind nicht zwischen die Gleise und die Bahn schupsen. Suche mein Gleichgewicht. Finde es. Die Tür. Zu... zu spät. Das Kind drin. Ich nicht.
Die U-Bahn ist weg. Zur Vorlesung komme ich auf jeden Fall zu spät. Na ja, wenigstens habe ich jetzt zehn Minuten Zeit, um anständig aufzuwachen. Ich fahr die Rolltreppe wieder hoch und halt mich auf beiden Seiten fest, denn meine Beine verläßt allmählich die Kraft. Langsam macht es sich bemerkbar, dass ich kein Frühstück hatte.Völlig umsonst eigentlich.

Mittwoch, Mai 18, 2005

Mach´s mir Indie...

Das größte Problem für Leute, die indie sein wollen, also unabhängig, individuell, cool, ist der Trend. Nichts ist schlimmer als ne feine Band entdeckt zu haben und drei Wochen später hört sie JEDER. Der kleine Penäler in der U-Bahn hat den besten Song sogar schon als Klingelton.
Darum leben Indie-Leute auf der Überholspur. Immer schneller sein als jeder Trend.
Wer bremst, wird uncool.
Wenn man nun aber schon selbst Gefahr läuft uncool zu werden, sollte man das bei seinem PC vermeiden.
Ladet Euch also den firefox-Browser von mozilla runter.
Ist so fein wie jede unentdeckte Indieband, haben auch noch nicht alle.
Aber bald. Drum beeilt Euch.
Dann könnt ihr in drei Wochen sagen: Klar kenne ich, schon lange, ist echt cool, aber jetzt hat ihn ja jeder...!

Browser unter www.mozilla.org
Nette Filme gibt´s dazu unter: www.funnyfox.org

Donnerstag, April 28, 2005

Ol´Mc Donald´s wird jetzt arm..

ia, ia yo!

Na gut, so wirklich arm wird er wohl nicht, aber dafür Deutschland reicher.

Und wir können dabei helfen:

Mc Donald´s muss nämlich für jedes Menü, dass man IM Restaurant isst 16 Prozent Umsatzsteuer zahlen, für alles was man mitnimmt (oder beim Mc Drive holt) nur 7 Prozent.*

Wenn man Ronald nun ärgern will, dann antwortet man auf die Frage "Zum hier essen oder mitnehmen?" Immer mit "Hier essen", lässt die Thekenkraft den entsprechenden Knopf drücken, wartet ein Sekunde bis sie den nächsten Kunden bedient und geht dann doch (schelmisch, nicht).

So hat man nen Burger und noch was für die Rente, den Straßenbau, das Bildungswesen, etc. getan und das gute Gefühl einem Weltkonzern eins ausgewischt zu haben;)

Mahlzeit!
*SZ 26. April 2005, Wirtschaftsteil

Mittwoch, April 20, 2005

Ratz und Rübe, Sauerkraut

Ein deutscher Papst.

Großartig...
Jetzt geht´s uns wie den Amerikanern mit Georg Bush als Präsident.

Überall in der Welt werden wir uns von nun an rechtfertigen müssen, warum er dies getan hat und jenes und was wir davon halten.

Die Amis konnten wenigstens (offiziell) mitwählen.

Mein Plan für die Zukunft: Ich werd Kardinal.
Suche jetzt mal bei Google nen Praktikantenplatz im Vatikan...

Habemus problam.

Sed Salve

Freitag, April 01, 2005

Fachgeschäfte

Man sollte es kaum glauben, hier meldet sich ein Student, der keine Zeit hat. Gibt es so etwas überhaupt? Viel unglaublicher ist eigentlich noch die Frechheit, die er sich herausnimmt und jault, keine Zeit zu haben. Dieser Student kann eigentlich nur hoffen, dass er neben dem höhnischen Lachen der arbeitenden Bevölkerung auch ein mitleidiges Lächeln geschenkt bekommt. Endlich hat er sich nach cirka sechs Monaten mal wieder hingesetzt und etwas zu Papier gebracht.

Da fällt mir ein, wenn man einen Text schreibt, also tippt, direkt in den Computer, kann man dann sagen, dass man einen Text zu Papier bringt? Müsste es dann nicht eher heißen einen Text auf den Bildschirm bringen? Obwohl das wiederum auch nicht stimmt, denn wenn man den Bildschirm ausschaltet, ist der Text ja weg. Speichert man ihn dagegen, dann ist er auf der Festplatte. Also der Student hat es nach sechs Monaten geschafft, einen Text erst auf seinen Bildschirm dann auf seine Festplatte und anschließend (zumindest zeitweise) auf euren Monitor zu bringen. Falls ihr das Ganze dann auch noch ausdruckt, dann ist er schließlich auf Papier gebracht. So, genug um den heißen Brei herumgeredet, jetzt endlich zu diesem vielbesagten Text. Entstanden ist er im, besser gesagt während einem Seminar für Textoptimierung. Quasi in idealer Umgebung.

Ausschließlich saßen dort Experten, die sich überlegt haben, wie man Texte verständlich verfasst. Und Experten kennen sich aus. Leider lassen Experten einen auch fühlen, dass sie sich auskennen. Wenn man einen Experten nämlich etwas fragt was man als Laie nicht verstanden hat, erklärt es einem dieser Fachmann. Und zwar meistens so, dass man danach eigentlich Bescheid wüsste, wenn man nur verstanden hätte, was er da grad eigentlich gesagt hat. Denn Fachleute sprechen Fachchinesisch. Für alle Normalchinesen ist diese Sprache unverständlich. Sollte der Fachchinese dann auch noch deutscher Herkunft sein, so gibt er einem auch gleichzeitig noch zu verstehen, dass man eigentlich zu unwürdig ist auch nur den Hauch von einem Atemzug der selben Luft zu nehmen mit der er sein Fachchinesisch produziert.

Diese sogenannten Experten sind halb so schlimm, wenn sie im Fernsehen auftreten und wegzappt werden können. Fatal ist es jedoch, wenn man etwas von ihnen braucht und ihnen somit ausgeliefert ist- hilflos! Beispielsweise im Baumarkt, im Musikgeschäft, ... .

Ich, für meinen Teil, habe ja eine Heidenangst vor Informationstechnologie­fachgeschäften, vulgo Computerläden. Heutzutage kommt man aber gewissermaßen nicht mehr um sie herum, denn man braucht ja doch hin und wieder Ersatzteile für die sich im Heimgebrauch befindlichen EDV-Systeme (kurz PC). Z.B. eine neue Maus..äh..mouse. Also so ein Ding, dass den kleinen Pfeil auf dem Bildschirm wahlweise von oben nach unten, bzw. Von rechts nach links bewegt-„den cursor also auf dem Desktop manövriert“.

Meine Maus ist schon seit drei Monaten kaputt. Hatte eine Macke: Jedesmal wenn ich nach links wollte, ist der Pfeil entweder nach unten, oben oder rechts gegangen. Eigentlich bin ich gleich damals zu einem Computerladen gegangen, nur habe ich mich nicht rein getraut. Schließlich waren da lauter Leute im Laden. Sogar ein paar Bekannte aus dem Wohnheim, Informatikstudenten. Da konnte ich dann doch nicht rein.

Beim zweiten Mal bin ich frühmorgens hin. Leider war aber auch dieses Mal schon jemand vor mir da. Ein Vertreter, wahrscheinlich aus China, denn was der mit dem Verkäufer gesprochen hat, war eindeutig nicht Deutsch, die Sprache Schillers und Goethes! „GX260SF/SD/SMT/GX60SF...“ oder so ähnlich.

Bin also schnell wieder raus. Ohne Maus. Da hätte ich mit meinem technischen Unwissen ja nicht fragen können. Auf keinen Fall, nie im Leben, nicht um alles in der Welt. Ein bisschen Stolz hab schließlich auch ich.

Meine Maus war aber immernoch kaputt, also musste ich dann doch nochmal hin- einen dritten Versuch starten.

Mehr Vorwissen hatte ich aber immer noch nicht.

Frag mich mal jemand, was für einen Rechner ich hab, mit welchen Anschlüssen, Systemvoraussetzungen, ...

ICH HAB KEINE AHNUNG!!

Wenn ich ihn anschalte, geht er an und wenn ich ihn runterfahr geht er wieder aus. Zumindest meistens.

Mit diesem Wissen, besser gesagt Unwissen als MANN ein Informationstechnologie­fachgeschäft zu betreten, grenzt an Schwachsinn. Das geht nämlich cirka sieben (7) Minuten lang gut. Diese beinhalten die Zeit vom Übertreten der Türschwelle bis zum Ende des Ignoriert-werden durch den Verkäufer (Fachmann). Er akzepiert nämlich erst dann, dass ich mich in seinen Geschäftsräumen befinde, weil ich tatsächlich etwas brauche. Und zwar von ihm! Mit seinem müden, selbstsicheren Gang kommt er genervt auf mich zu und äußert den folgenden lässig hingeworfenen Satz:

„Kann ich ihnen helfen?“

- Noch ist alles gut. Ich habe noch nicht geanwortet. Noch scheine ich ein vollwertiges männliches Wesen zu sein, das weiß, was es im Leben und in einem Computerladen will.

Dann aber sag ich: „Ja.“

Von da an ist alles aus. Der Blick des Verkäufers wird finster, denn ich will tatsächlich etwas wissen. Will seine Aufmerksamkeit und sehe dabei noch nicht einmal nach Geld aus. Sondern nur blöd. Aber was bringen einem Verkäufer arme, blöde Menschen? Da ist nichts zu holen. Dumm und reich ist da besser.Und die sind in München ja auch nicht selten.

Ich bin aber nicht einmal weiblich, habe keine sekundären Geschlechtsorgane. Ich bin unrasiert und außerdem kurz vor Feierabend da.

„Ja, ich bräucht ne Maus“, sag ich und zeige unschuldig auf das Sonderangebot (!).

-- Aus, aus, jetzt ist alles aus!

„Aaaaah sooo, eine mouse.“

„äh, mouse, ja genau...“

„Wollen Sie denn eine Logitech Midnight Grey PS/2, Maus 2 Button, Wheel oder eine Belkin ErgoMouse - 3 Taste(n) - verkabelt - PS/2, seriell – Grau oder eine Logitech Marble Mouse - Trackball - optisch - 4 Taste(n) - verkabelt - PS/2, USB oder eine Logitech Cordless Presenter - optisch - 2 Taste(n) - drahtlos – USB oder eine Targus Optical Super Mini Retractable Mouse - verkabelt - USB – Platin oder eine Logitech MX 510 Performance Optical Mouse - optisch - 8 Taste(n) - verkabelt - PS/2, USB oder eine Logitech MX1000 Laser Cordless Mouse - Lasermaus- 20 mal genauer als herkömmliche Technologien, schwarz, USB/PS2 Adapter oder eine Kensington Pocket Mouse Pro Wireless - kabellose optische Maus für Notebooks, 2 Tasten, Scrollrad, einzigartig: der Empfänger kann in einem Fach in der Maus verstaut werden.
Und für was für einen Rechner?“


„Weiß nicht, sie sollt halt den kleinen Pfeil auf dem Bildschirm bewegen.“

„Sie meinen den cursor auf dem screen manövrieren! Allerdings muss ich dazu, wie gesagt wissen, wenigstens die grundlegensten Informationen von Ihnen erfahren.

Für welchen Computertyp ist es denn gedacht?

Etwas für Optiplex 170L MMT / GX 260 SF/SD/SMT / GX 60 SF/SD/SMT / GX270 SF/SD/SMT / SX 260 RJ / SX 270 USFF oder 350 MiniTower / 340 MT and DT / 360 DeskTop / 360 MiniTower / 450 DeskTop / 650 MiniTower oder für die Dimension 4500s SD / 4700 MMT / 8300 MT / 8400 MT / XPS MT, …“

... und während er da so spricht, frage ich mich, wo denn meine Menschenwürde hin ist. Bin ich tatsächlich so wenig wert, nur weil ich keine Ahnung von Nagetieren habe die kleine weiße Pfeile steuern?

Da plötzlich der rettende Einfall: Alle Welt ist korrupt! Vor allen Dingen Experten, die gerne fachmännisch das sagen, für was sie Geld bekommen.

Ich werde mir meine Würde einfach zurück kaufen und zwar mit der teuersten Maus, die es im Laden gibt. Dann bin ich zwar nicht schlauer, seh aber so aus. Für mich gibt´s schließlich nur das Beste.

Nachdem ich meine EC-Karte heillos überzogen hab (geht bei Studentenkonten schnell), sehe ich noch das Grinsen des Verkäufers als ich nach draußen gehe...“ja, ja München“...

Dafür hab ich aber ne tolle Maus gekauft. Find ich- mein Computer leider nicht. Der mochte meine Maus nämlich gar nicht. Hab dann meinen Mitbewohner gefragt. Ist ja schließlich Informatiker, also Experte, der muss es wissen. Er hat´s mir auch erklärt. Wenn ich´s verstanden hätte, wüßte ich jetzt woran es lag.

Verstanden habe ich allerdings, dass meine alte Maus nicht kaputt war, sondern mal geputzt gehört hätte. Da hatte ich sie aber schon gegen die Wand geworfen.

Die neue Maus werde ich nun bei Ebay verkaufen - gesetzt den Fall, ich finde jemanden, der mir erklären kann wie das funktioniert. Am Besten ich frage mal einen Experten ...

Sonntag, März 13, 2005

aber hallo!

Jetzt sind´s schon 4 (in Worten -vier-) Monate, dass ich mich hier nicht mehr gemeldet habe.
Es gibt Gründe, ob gut, weiß ich nicht.
Doch nun soll alles besser werden!

ABER HALLO! denkt ihr. Ich auch und zwar in allen mir verfügbaren Sprachen:


bulgarisch: dobro utro
französisch: mais salut
italienisch: ma ciao
lateinisch: sed salve
luxemburgisch: mee mojen
türkisch: ama mérhaba
serbisch: ale zdrave
slowakisch: ale ahoj
spanisch: pero holá



Und natürlich Englisch: BUT HELLO!

Freu mich über weitere Vorschläge. Wichtig ist die WORTWÖRTLICHE Übersetzung. Sinngemäß kann ja jeder.

Bald mehr.

Bis dahin (und auch noch länger) schaut Euch Thomas Ps Blogspot an:www.swingapore.blogspot.com
oder www.piekarczyk.org

Mittwoch, Oktober 27, 2004

U-Bahnfahrtengedankengänge

Ich gehöre noch zu den Menschen, die einen Walkman, also ein tragbares Kassettenabspielgerät mit Kopfhörern, nicht nur besitzen, sondern auch noch benutzen.
Traditionalist! höre ich die einen Schimpfen.
Ein Vorbild, würde mich die stark angeschlagene Musikindustrie nennen.
Was genau ich bin, außer ein Student, der einfach zu faul ist, seinen Computer aufzurüsten und sich einen handlichen mp3-Player zu kaufen, überlege ich mir immer wieder, wenn ich mit meinen leiernden Kassetten durch die U-Bahnröhren der bayrischen Metropole rausche und dabei versuche während der Fahrt irgendwas in der Dunkelheit zu erkennen.
Warum haben U-Bahnen eigentlich Fenster? Wegen der Aussicht?
Warum werden statt diesen nicht Plasma-Flachbildschirme eingesetzt, die Kühe beim grasen, Bayern beim trinken und Wolfsburger beim verlieren zeigen?
Fragen über Fragen...alles bei der Fahrt mit der U1 zwischen Rot-Kreuz-Platz bis St. Quirin Platz.
Manchmal bestimmt aber auch die Musik die Stimmung und was dabei rauskommt, könnt ihr jetzt im folgenden lesen. Ein nicht ganz klassischer Post auf meinen Blogspot.


Leben und Sterben wie ein Toastbrot im Regen
Kettcar, Landungsbrücken raus

Frei! Ja, frei! Gleich sollte er es sein. Die Umklammerung, den Käfig, die Enge verlassen haben. Frei von Zwang und Enge. Wieder leben, wie kurz nach der Geburt. Aufatmen, Luft atmen, unverbraucht und rein. Sonne spüren können in jeder Pore.
Freiheit.
Fast hatte er es geschafft. Halb war er aus der Umklammerung gelöst. Schon streifte ihn ein kühler Wind. Aber ganz war es noch nicht vollbracht. Er fühlte die Umklammerung wie sie wieder enger wurde, je mehr er sich der Freiheit näherte. Dabei war er ihr bereits so nahe. Seine Ohren. Die Taubheit war verflogen. Die Geräusche seiner Umwelt waren auf einmal klar und deutlich. Die fahrenden Autos, die Schritte der Menschen auf der Straße und er mitten drin. Mittendrin und frei.
Endlich. Er hatte sich endlich restlos befreit. War nun allein und unbeschwert dort, wo das Leben tobte. Stand mitten auf der Straße oder vielmehr auf einem Radweg. Er fühlte seinen Körper befreit von der Last der Enge. Weitete, richtete sich auf und erkannte das Gefühl wieder. Freiheit. Es war schön. Einmal hatte er es schon gefühlt. Kurz nach seinem ersten Atemzug, als er die Welt noch als seine eigene Welt kannte. Er blickt sich um. Begann die Kühle des Asphalts zu spüren. Nackt war er. Wie der Asphalt, aber auch frei. Neben ihm lag ein Stück Papier. Ein Einkaufszettel. Daneben ein Apfel.
Es fing an zu regnen. Sein erster Regen seit langem, seit erster Regen überhaupt. Leise nieselte es und er sah wie die Schrift des Einkaufszettels langsam verschwamm. Auf dem Apfel perlten die Tropfen ab, hin und wieder bekam auch er einen Spritzer ab. Er wandte den Blick. Um ihn herum lagen verstreut Bananen, aufgeplatzte Nudelpackungen, Brokkoli, Salatköpfe, ein Tetrapack, aus dem langsam die Milch sickerte. Ein Fahrrad lag über alldem auf dem Asphalt. Der Regen wurde stärker.
Er merkte wie er müde wurde. Sein Körper wurde schlaff. Er sackte zusammen, erschöpft von seinem Drang nach Freiheit, aus der Dunkelheit heraus, aus der Enge, legte er sich auf den kalten, nassen Boden. Das Wasser drang durch ihn durch. Langsam entwich ihm die letzte Kraft. Regungslos lag er da. Aus der Ferne sah er blinkende, blaue Lichter auf ihn zukommen. Sirenen hallten. Menschen riefen. Hektik. Er allein, blieb still. Die Lichter kamen näher.
Der Rettungswagen hielt direkt neben ihm auf dem Radweg. Er versucht sich noch einmal aufzuraffen und fort zu kriechen, aber er war zu schwach. Die Tür öffnete sich. Ein Sanitär sprang heraus. Er war tot.

„Komm! Da drüben liegt er!“, rief ein anderer.
„Komm ja schon! Aber, wäh! Bin grad in n Scheibe Toastbrot getreten. Hab jetzt den ganzen Brei am Schuh“
„Jetzt komm, da drüben siehts nicht gut aus. Der ist schon völlig durchnässt!“
Der Sanitäter streifte die aufgeweichte Brotscheibe, die sich aus der Plastikhülle befreit hatte, von der Sohle, kickte mit einem leichten Tritt den Rest der aufgeplatzten Packung American Toast in die Büsche und machte sich an die Arbeit.

Samstag, September 25, 2004

Frnakriceh

Was einen sehr wundern sollte, wenn man durch Frankreich reist - dass man sich dort tatsächlich auch in anderen Sprachen als Französisch verständigen kann. Vielmehr sogar, dass die Einheimischen nämlich, wir nennen sie ja im allgemeinen Franzosen, einen Fremden, der herumirrend um Hilfe sucht, mit einem freundlichen Lächeln fragen, was denn das Problem sei und do you need some help? QUI, YES, JA! Hilfe, äh help, yeah!
Nahezu unglaublich, aber man kann heutzutage mit geringsten bis gar keinen Französischkenntnissen in der Grand Nation überleben.
Frankreich ist also im Zeitalter der Globalisierung, äh ich meine mondelisation, angekommen. Und ich bin sehr dankbar darüber.

Würde ich meinen Text nun an dieser Stelle abrechen oder auf diese Weise fortfahren, gehörte ich wohl zu diesen klassischen ich-liebe-Frankreich-wegen-der-Kultur-dem-Wein-der-Sonne-und-überhaupt-Leuten. Als zukünftiger Lehrer wäre das ja auch nicht so falsch. Nach der Verbeamtung kommt ja schließlich das Eigenheim, der Familienwagen, dann die zwei Kinder und schließlich der Urlaub an den französischen Küsten.
Aber ist Frankreich, ganz Frankreich, tatsächlich im heutigen Zeitalter angekommen? Nein, eine kleine Gruppe von Jugendherbergen im Süden Galliens leistet erbitterten Widerstand gegen Komfort, Kundenorientierung (also Freundlichkeit), Hygiene und ernährungsbewusste Verpflegung.
Im Osten Europas kann man solche Zustände wenigstens immer noch auf 40 Jahre Sozialismus schieben, aber in Frankreich? Ist Intimsphäre kein Menschrecht? Riefen die Revolutionäre damals nicht libertè, egalité, fraternité und intimité (also Türen für alle Toiletten und Duschen)? Ist l´eau tatsächlich nur zum Trinken da? Man darf es tatsächlich nicht zur Reinigung diverser Toiletten- und Waschbereiche nutzen?
Es überkommt einen der Eindruck, dass die Revolution damals nicht nur ihre Kinder, sondern auch das gesamte Putzpersonal mitgefressen hat.
Wenigstens sind die Preise für den Service im Jahre 3 nach dem Euro angekommen. Sonst wär ja auch gar nichts wie zu Hause, wenn man nicht mal über die Preise motzen könnte.
Aber motzen bringt einen bekanntlich nicht weiter.
Wie bitte?! Motzen bringt einen nicht weiter, fragt ihr.
Oh, verzeiht, ich habe vergessen, dass ich wieder in Deutschland bin und man hier das Motzen sozusagen in die Wiege gelegt bekommen hat. Oder etwa nicht? Das erste was deutsche Babys von sich geben ist ja schließlich ein Schrei. Eine Beschwerde. Sie motzen kaum das sie atmen können. Dennoch, Motzen bringt einen nicht weiter! Was wiederum das Baby beweist, denn egal wie viel es schreit, man steckt es nicht mehr dahin zurück, wo es her kam.
In französischen Jugendherbergen hilft es also auch nicht und daher sollte man sich, wenn man sich schon im Hygienezustand des 18. Jahrhunderts befindet, die Prinzipien der Revolution zu eigen machen.
1. Liberté: Freiheit. Jede Nacht geht einmal zu Ende und dann kann man schließlich wieder sein Zeug packen – und raus. In die nächste Herberge, die dann sicher besser sein wird. Hoffentlich.

2. Egalité: Gleichheit. Allen geht es hier gleich schlecht. Auch den französischen Gästen. Hey, aber denen fällt das gar nicht auf mit der Hygiene. Na dann ist es auch egal-ite.

3. Fraternité: Brüderlichkeit. Was man hat, soll man brüderlich teilen. Im Allgemeinen ist dieser Satz ja ein Widerspruch in sich, wenn man davon ausgeht, dass brüderlich teilen, fair teilen, gerecht teilen bedeuten soll. Wer ist mit einem Bruder aufgewachsen? Na also!

Brüderlichkeit in Jugendherbergen heißt also: alles für mich und zwar so schnell als möglich, am besten sofort.
Ziel ist es das Preisleistungsverhältnis wiederherzustellen. Wenn man also schon viel zu viel für viel zu schlechtes bezahlen muss, dann will man wenigstens viel von dem Schlechten abbekommen, in der Hoffnung, dass somit alles vielleicht ein bisschen besser wird.
Konkretes Beispiel: Die Höhe der Jugendherbergspreise lassen vermuten, dass man auf dem Toilette Klopapier vorfindet. Tut man aber nicht. Zum Glück bin ich vor einem halben Jahr von Stoff- auf Papiertaschentücher umgestiegen. Allerdings muss dieser Mangel an Service ausgeglichen werden, schließlich habe ich gezahlt und darum bleib ich länger auf dem Topf. Und zwar richtig lang. Mindestens so lange, bis ich das Geld wieder reingeholt hab. Die Übernachtung kostet 12 Euro irgendwas ohne Frühstück (und Klopapier). Studentische Hilfskräfte verdienen knapp 7 Euro die Stunde. Der Rest ist Kopfrechenarbeit und eine Frage des Sitzfleischs.
Die Schlange vor dem Klo, warum sollte so eine Unterkunft auch mehrere funktionierende WCs besitzen, wird länger und länger, die Leute lauter und lauter. Was aber ganz angenehm ist, denn man sitzt dann nicht mehr so alleine da und man kann nebenher auch noch französische und englische Fäkalausdrücke lernen. Wenn nicht auf dem Klo, wo sonst.
Es lebe die Brüderlichkeit!
A propos, wer hat denn eigentlich mal fest gelegt, dass Brüder mit Brüdern und Schwestern mit Schwestern in einem Massenlager zusammen die Nacht verbringen müssen. Wieso sind in unserem aufgeklärten Zeitalter die Schlafsäle immer noch nach Geschlechtern getrennt, vor allen Dingen in einem Land wie Frankreich, wo am Kiosk die neuesten Pornofilme beworben werden wie bei uns Eiscreme und Zigaretten? Warum trennt man in dieser Welt die Frauen von den Männern und nicht die Schnarcher von den Nicht- Schnarchern? Das würde mein Leben um vieles bereichern. Zu mindest um Schlaf.

Manchmal, wenn ich viel Zeit habe, z.b. auf französischen Jugendherbergstoiletten, denk ich mir, Mensch, jetzt wirste alt.
Ich will Papier auf m Klo. Keine aufgewärmten Pommes vom Vortag mit Ei als Abendessen serviert bekommen und dafür auch noch 8 Euro zahlen müssen. Nachts schlafen. Keine Visa-Karte besitzen müssen. Ach ja.., früher, da war alles.. .
Wieso die Visa-Karte?
Weil französische Jugendherbergen im Informationszeitalter angekommen sind. Altmodische Dinge, wie telefonische Reservierungen gibt es nicht mehr. Email? Veraltet. Wer in ein Zimmer möchte, brauch einen Internetanschluss, die Geheim-Website und eine gültige Visa-Karte. Nur dann kann man sich sicher sein, dass man auch eine Schlafmöglichkeit bekommt. Also fast sicher.
Allerdings frage ich mich, wie viel unter 25-jährige eine Visa-Karte besitzen. Vor allen Dingen, diese Karte mit auf den Rucksackreiseurlaub mitnehmen? Wahrscheinlich alle – außer mir.
Ich werde wohl doch alt...
Ah ja, per Fax geht auch noch. Man kann sich dann zu Hause also schon entscheiden, ob man lieber das Faxgerät oder den Schlafsack in die Reisetasche packt.

Urlaub in Frankreich ist eine schöne Sache. Da hat man Sonne und danach wenigstens auch was zu erzählen. Nicht so wie in den langweiligen deutschen Jugendherbergen, wo alles perfekt ist.
Äh, Moment mal, hab ich schon von dem Erlebnis in der Passauer Juhe erzählt?
Also,...


Dienstag, Juni 29, 2004

Moderne Wegelagerer- oder wie komme ich von A nach B über C, D, E und F

Das Wetter ist hervorragend. Nein, nicht die Wetterlage, zumindest nicht die in München. Die Wetterlage in der bayrischen Landeshauptstadt ist immer noch miserabel. Das ist wohl ein Zustand für den die CSU ausnahmsweise nichts kann.
Oder etwa doch? Schließlich bringen ausschließlich schwarze Wolken schlechtes Wetter.
Nichtsdestotrotz das Wetter ist hervorragend geeignet als Gesprächseinstieg. Sowie zum Beispiel zu diesem hier.
Und je besser das Wetter, also dessen Lage, desto besser die Laune der Betroffenen und somit der Einstieg in ein Gespräch. Das ist gut so.
Eigentlich. In jeder Gesellschaftsform. Nur nicht in der unseren postindustriellen von Dienstleistungen verseuchten westlichen Gesellschaft.
Hier tauchen urplötzlich unbekannte Gefahren auf.
Denn sobald die Wetterlage sich bessert, begibt man sich gut gelaunt auf die Straße. Klar, man ist dort leider nicht allein, denn die Straßen sind voll mit Menschen.
Wenn es jedoch nur das wäre: Menschen.
Im Laufe der Jahrhunderte haben wir uns ja an sie gewöhnt. An die anderen Menschen. Menschen auf der Straße sind an sich kein Problem.
Aber, wir sind nicht allein.
Sie sind mitten unter uns!
Wer?
Die Promoter!
Kreaturen in knallbunten, körperbetonten Kleidern oder in unscheinbarer, bürgerlichen Tarnanzügen, aber immer mit diesem unmenschlichen, hybriden Lächeln im Gesicht und einer Freundlichkeit, die gespritzt, gedopt, eingeschmissen, oder was auch immer, aber auf keinen Fall natürlich ist.
Menschen auf der Straße sind, auch bei Sonnenschein, allerhöchstens freundlich unhöflich. Nie aber mehr. Selbst bei schönstem Wetter raunzen Menschen zurück, wenn man schüchtern nach dem Weg fragt, motzen, wenn man sie aus Versehen anrempelt.
Promoter lächeln. Egal, was man macht oder sagt. Auch wenn man ihnen ins Gesicht schlägt. Mit ihren verbliebenen schneeweißen Zähnen werfen sie uns dann aus dem blutüberströmten Geicht weiterhin ihr debiles Lächeln entgegen. Ihr Lebenszweck ist Lächeln.
Sind Promoter daher vielleicht sogar die besseren Wesen?
Die nächste Stufe auf der Evolutionsleiter?
Nein! Sie sind grausam. Während wir ihnen nur ihre Gesundheit nehmen können, nehmen sie uns alles. Das wichtigste. Etwas was uns keiner mehr wieder geben kann. Was für immer und ewig verloren bleibt, wenn man es einmal gebraucht hat.
Promoter stehlen uns unsere ZEIT!
Sie halten uns auf. Mitten in unsere Leben. Reißen uns raus aus unseren Plänen und Träumen; bringen uns von unsere Wegen und Zielen ab.
Für was?
Für Dinge, die wir nicht brauchen. Für Dinge, die man, nachdem sie erfunden worden sind, erst noch einen Zweck dazu erfinden musste.

Warum ich mich eigentlich so darüber aufrege?

Weil ich immer auf sie reinfalle. Ich schaffe es nicht ihnen aus dem Weg zu gehen. Ich kann es nicht übers Herz bringen NEIN zu sagen, weiter zu gehen, sie mit ihrem scheußlichen Lächeln stehen zu lassen.
Nein, so grausam kann ich nicht sein. Aber genau dafür hasse ich sie! Sie nutzen mich aus, verführen mich, machen aus mir einen Konsumjunkie.
Aber noch bin ich ihnen nicht ganz verfallen. Noch kann ich etwas selbständig denken und weil ich mir über diesen Missstand bewusst bin, versuche ich ihnen auszuweichen.
Versuche ihnen aus dem Weg zu gehen, selbst wenn das für mich bedeuten mag viel befahrene Straßen, wie den Mittleren Ring, während der Stoßzeit unter Lebensgefahr zu überqueren oder auf der Rolltreppe kehrt zu machen, alte Frauen aus dem Weg zu stoßen und mit der U-Bahn minedstens zwei Stationen weiterzufahren, in der Hoffung der Promoterbrut am dortigen Ausstieg nicht zu begegnen zu müssen oder mich über Hinterhöfe, Rosengärten und Seitengassen zur Uni durchzuschlagen.
Kein Weg ist mir zu weit, zu schwierig, zu umständlich um diesen lächelnden, herzlosen Wesen zu entkommen.
Ich soll einfach nicht an ihnen vorbei gehen und ihnen ein eiskaltes NEIN entgegenschleudern und weitergehen?
Hab ich versucht, aber ich entkomme ihren Bann nicht. Ich schaffe es nicht.

Promoter:Hallo (lächel) haben (lächel) Sie (lächel, der Typ ist so alt wie ich und Siezt mich!)einen (lächel) kurzen (lächel) Moment (lächel) ZEIT (dreifachlächel)

Opfer (also ich): äh, nei...

Promoter: Neitürlich (lächel), also…

Und dann ist es vorbei.

Ich stehe da, gefangen mitten unter Menschen, die das wundervollen Wetter genießen und gutgelaunt sind, weil ich in den Fängen dieses Promoters bin und sie unbehelligt weiterziehen könne. Manch einer schenkt mit beim Vorübergehen ein bemitleidendes Lächeln (!) und spaziert weiter.
Ich aber stehe da, probiere ohne nachzudenken, den mir angebotenen Joghurt, behaupte mechanisch er schmecke gut, rauche 3, 4 Zigaretten einer mir als absoluter Nichtraucher unbekannten Marke, huste, röchel, unterdrücke den Würgereiz, gebe an 8mal die Wochen in jedem In-Schuppen der Stadt abzutanzen, hunderte von Euro meines Bafögs am Tresen liegen lassen, ich aber dennoch gerne den Newsletter dieser neuen Disco abonnieren möchte, genauso wie ein zweites Mal die SZ, und auch die FAZ, die Bunte und die Bild am Sonntag und höre dabei wie der Sand meiner Lebensuhr unaufhörlich sanft und gnadenlos nach unten rieselt.
Während ich den Vertrag für die Lebensversicherung unterschreibe fühle ich wie sich der Tod schon langsam an mich heranschleicht. Er lächelt im Übrigen.
Promoter sind Mörder.

Aber ich gebe den Kampf nicht auf!
Leider gelingt es mir, trotz größter Aufmerksamkeit, nicht immer diesen Wegelagerern erfolgreich aus zu weichen. Zum Teil positionieren sie so strategisch geschickt, dass man keine menschenmögliche Chance hat an ihnen vorbei kommt. Darum musste mir, wollte ich nicht all meine Lebenszeit und Finanzen an sie verlieren, eine neue Strategie entwickeln. Die so genannte Hab-ich-schon-danke-brauch-ich-nicht-mehr Strategie. Allerdings erforderte dieser Plan eine umfassendere Vorbereitung: Nächtelang durchforstet ich das Internet um wirklich jedes Produkt dieser Erde aufzuspüren, dass möglicherweise promotet werden könnte. Von allem machte ich mir eine originalgetreue Kopie. So habe ich nun immer bei mir, u.a. eine SZ, FAZ, ZEIT, BILD, eine Auto-Lebens-Haftpflichtversicherung, eine Kreditkarte von jedem namenhaften Bankinstitut der EU, Zigarettenschachteln, Bahnkarten, etc.
Und?
Es klappt!
Seitdem ich das mache, erspare ich mir viele Umwege.
Keine verschrammten Knie vom über die Hecke klettern, o.ä.
Ich entkomme den Promotern. Ich leben wieder. Ich bin frei!!

Allerdings ist es leider sehr umständlich täglich mit einem Trekkingrucksack voller Dinge U-Bahn zu fahren und schafft man es dann nicht rechtzeitig den richtigen Artikel aus der Tasche zu kramen, ist alles umsonst.
Sie kriegen einen doch.
Und dann hat man statt einer zwei Monate alten SZ, die der Tarnung diente, eine aktuelle in der Hand. Plus die Rechnung fürs dritte Studentenabo.

Donnerstag, Juni 03, 2004

Bonn – die Haupt, öh, Stadt Deutschlands

Wir schreiben den Wonnemonat Mai 2004 und während wir das schreiben, streichen wir gleich mal wieder das Wonne im Monat und fragen uns, warum es in aller Welt überhaupt noch die Bezeichnungen Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt. Es hält sich eh keiner mehr dran. Frostgefahr im Mai passt nicht so ganz in die lexikalische Definition von Wonnemonat!
Mir scheint, dass sich Mutter Natur momentan in einem Entbürokratisierungsprozess befindet und sich dabei alle Freiheit nimmt winterliche Wettererscheinungen in den Sommer zu stecken und andersherum.
Bonn.
Wie komme ich jetzt darauf?
Ich war da.
Und?
Ja, im Mai halt! 2004.
Und so wie der Mai kein Wonnemonat war, so ist Bonn auch keine BundeshauptSTADT.
Das wusstet ihr schon?
Ich nicht.
Zumindest mit der sogenannten Stadt. Das mit dem Bundeshaupt hat sich ja zur Hälfte schon erledigt.
Denn ich war jetzt zum ersten Mal in Bonn und beeindruckt.
In dieser Stadt soll sich tatsächlich mal ein Kanzler namens Helmut Kohl bewegt haben.
Wie? Ist doch gar kein Platz. Ich verstehe mittlerweile warum der unbedingt nach Berlin und auch warum er nochmals gewählt werden wollte.
Wobei das letztere ja bekanntlich keine gute Idee war, und ob ersteres besser ist wird nicht nur in finanzpolitischen Kreisen bezweifelt. Wie überhaupt die ganze Geschichte mit der Mauer.
Blühende Landschaften gibt es zumindest in Bonn. Kneipenlandschaften. Einer der angesagtesten Bonner Landschaftsgärtner ist ein gewisser T.P. aus B. (odelshausen) Der nämlich zeigte mir bei meinem Besuch eine besondere Blüte dieser Landschaft, die Lilie des Nachtlebens sozusagen: das Blow up. Diese Kneipe ist cool (Punkt) Nicht weil es ein ehemaliges Puff ist, in dem wahrscheinlich zu Bundeshauptstadtzeiten bayrische Exilpolitiker der Einen Partei praktische Erfahrungen in sozialen Brennpunkten sammelten, sondern weil es einfach cool ist (Punkt) Allerdings nicht in allen Punkten, denn wenn man als Wahlmünchner dem Wahlbonner ein landesspezifischen Gastgeschenk mitbringt, das aus Weißwurst, Brezn und Augustiner besteht. Dann ist man schon etwas angesäuert, wenn ausgerechnet der coole Laden neben Beck´s, Heineken auch noch Augustiner führt! Gastgeschenk kaputt, der Laden aber cool.
Aber nicht nur dieser Schikane sah ich mich als Wahlmünchner ausgesetzt.
Was haben die Menschen in Deutschland, die nicht in den Südstaaten leben, gegen Bayern?
Warum muss ich oberhalb des Weißwurstäquators ständig Partei für die Freistaatler ergreifen?
Kann ich was für Edmund Stoiber, den FC Bayern oder das Oktoberfest?

Jedes Mal muss ich mir das anhören, verteidigen (ja, sogar den FC), einschreiten, richtig stellen, obwohl ich kein Bayer bin!
Die Notbremse ist dann immer:
Ich komm ja gar nicht aus München, ich komm bei Tübingen.
(Schweigen und dann:) Haha haha, prust, gröl, haha! Ein Schwabe, hihi, ach der VFB, gell und schaffe, schaffe...
Und schon geht´s weiter. Jetzt lästert man über die Schwaben...
Sind wir denn nicht nur intelligenter und erfolgreicher als der Rest Deutschlands, sondern haben wir auch noch mehr Anstand?
Ich weiß es nicht.

Aber ansonsten ist Bonn schön.
Ich habe mir, als zukünftiger Lehrer natürlich die Stadt angeschaut. Das teils ehemalige Regierungsviertel, die Kunsthallen (von außen), das Propagandahauptquartier der deutschen Demokratie (Haus der Geschichte), etc.
Dabei ist mir aufgefallen:
Bonn hat die unerotischsten U-Bahnhaltestellen Deutschlands!

Wie soll es einem denn Spaß machen an diesen Stellen auszusteigen?

Deutsche Telekom
Hauptbahnhof Gleis 1
Wurzerstraße
Sürth

In Berlin hört sich das wenigstens nach was an, wenn man so durch den Untergrund rauscht. Unter den Linden, Potsdamer Platz, Zoologischer Garten, Alexanderplatz

Es ist eine Beleidigung für die Ohren. Diese U-Bahnstationen in Bonn. Eigentlich sollte man dort aus Protest nur noch schwarz fahren. Denn für was zahlt man denn? Für Bundesrechnungshof/ A. Amt?

München dagegen hat ja wohlklingende Namen. Aber wenn die weiterhin solche Preise für den MVV verlangen, möchte ich auch hier eine Namensänderung anmahnen. So dass das Verhältnis wieder stimmt: z.B. El Dorado, Fort Knox,
oder für die Poccistraße (wo die MVG sitzt) Ali Babas Räuberhöhle.

Aber trotz diesem Mangel an Erotik ist Bonn ein schönes Städtchen zu besichtigen. Vielleicht wird es ja auch mal eine richtige Stadt.

Ja, auch ein Bilderbuch kann man vorlesen - sogar vor vollem Haus

 Trotz besten Eis-Ess-Wetter - oder vielleicht genau deswegen - fanden sich bei der ersten Lesung aus "Lass das, Hass!" so viele k...