Freitag, Februar 25, 2022
Sonntag, Februar 13, 2022
Samstag, Februar 05, 2022
Münchner neueste Sagen XIV - Und er dreht sich doch!
Die Spiele in München von 1972 feiern 50jähriges Jubiläum und mittendrin der sogenannte Olympiaturm, der aber noch einen Ticken älter ist. Wenn man sich einmal kulinarisch und visuell verwöhnen lassen will, dann fährt man mit dem Aufzug auf 181 Meter Höhe und genießt den wortwörtlichen Rundumblick über die Stadt bei einem guten Glas Wein im dortigen Drehrestaurant. Dass sich dieses überhaupt dreht, ist ein Glücksfall. Die letzte Sage in meinem Erzählband „Wie die Isarflößer das Surfen erfanden“ mit wundervollen Ausblick. Jetzt im Buchhandel oder direkt beim Volk Verlag erhältlich. (Foto by FK).
Sonntag, Januar 30, 2022
Münchner neueste Sagen XIII - Als es bei der Sendlinger Mordweihnacht um die Wurst ging!
Hamburg, Berlin oder der Ruhrpott – viele Orte beanspruchen die Erfindung der Currywurst für sich. Das können sie gerne machen, auch wenn es total abwegig und historisch fragwürdig ist, denn klar ist, dass die Currywurst natürlich aus Bayern kommt. Dramatisch und grausam ist ihr Ursprung und daher ist es umso wichtiger, dass man sich die wahren Begebenheiten ins Gedächtnis ruft – alles nachzulesen in meinem Erzählband „Wie die Isarflößer das Surfen erfanden“ mit noch mehr nagelneuen, rein erfundenen Sagen – erhältlich im Buchhandel oder direkt beim VolkVerlag!
Montag, Januar 24, 2022
Münchner neueste Sagen XII - Fünf vor Zwölf mal Acht
Dem aufmerksamen Münchenbesucher ist dieses Kuriosum sicherlich schon aufgefallen: Der Alte Peter hat auf jeder Seite zwei Uhrenblätter am Turm. Ein berühmter Sprachakrobat dieser Stadt hat dies einmal damit erklärt, dass so acht Leute gleichzeitig die Zeit ablesen können.
Der wahre Grund liegt in einem Missgeschick. Und die Geschichte dazu ist eine kleine Hommage an Karl Valentin und Liesl Karlstadt. Zu finden in dem Erzählband „Wie die Isarflößer das Surfen erfanden“. Jetzt im Buchhandel oder direkt beim Volk Verlag erhältlich!
Freitag, Januar 21, 2022
Münchner neueste Sagen XI - Spitze Ohren und heiße Gemüter
Der Nymphenburger Park ist idyllisch, prachtvoll und ideal für ausgedehnte Spaziergänge. Und wer die Strecke an der Mauer entlang flaniert, der trifft im Unterholz nicht nur auf Rehe und Bienenstöcke, sondern ganz im nordwestlichen Bereich auch auf das scheinbare Graffito eines grimmigen Gesichts. Selbst wenn es langsam verblasst, so kann man sicher sein, dass es alsbald an einer anderen Stelle der Parkmauer wieder erscheinen wird. Warum? Alles über den Fluch des jähzornigen Jägers und den heute noch im Park lebenden Naturgeistern in meinem Erzählband „Wie die Isarflößer das Surfen erfanden“. Jetzt im Buchhandel oder direkt beim Volk Verlag!
Samstag, Januar 08, 2022
Münchner neueste Sagen X - Der Berg ruft!
Kaum zeigt sich auf der Wetter-App, dass es am Wochenende nur etwas Sonnenschein in den Alpen geben soll, schwingt sich der Münchner in sein Vehikel, vorzugsweise in einen handlichen VW-Bus, und begibt sich in Richtung der Münchner Hausberge, wie die Brecherspitze.
Das war noch nicht immer so. Zwar strebte der Münchner stets, wann immer sich ihm die Chance bot, zu den Hausbergen, doch einst lagen diese nicht in den Alpen, sondern ganz bequem in der Stadt. Warum die Theresienhöhe, der Nockherberg und all die anderen Anhöhen in der Isarmetropole ihren Reiz verloren haben? Ein Influencer war schuld – wie genau?
Am besten selbst nachlesen: Die „Münchner neuesten Sagen“ gibt’s im Buchhandel oder direkt beim Volk Verlag München.
Samstag, Dezember 25, 2021
Man muss auch mal (Weihnachts-)Schwein haben
Die besinnlichen Tage habe ich genutzt, um zu recherchieren, was es mit dem obigen Foto auf sich hat. Und ich war doppelt erfolgreich: Es gibt tatsächlich zwei Geschichten zum Weihnachtsschwein, die euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Während die eine ein Märchen ist, klärt die andere über die wahre Herkunft des Weihnachtsmannes auf. Viel Spaß bei der Lektüre! Und ich wünsche euch einen sauguten Start ins Jahr 2022!
Sollten euch die Geschichten gefallen oder solltet ihr nicht wissen, was ihr mit euren Weihnachtsgeld anfangen sollt, empfehle ich meinen kleinen Erzählband "Wie die Isarflößer das Surfen erfanden", den es im Buchhandel sowie beim Volk Verlag München gibt!
Wie der Weihnachtsmann einmal Schwein hatte
Es war zu der Zeit, als der Weihnachtsmann noch zu Fuß und alleine am Heiligabend den Kindern die Gaben brachte. Den prall gefüllten Sack mit Apfel, Nuss und Mandelkern zog er auf einem Schlitten hinter sich her, wenn er sich mit stapfenden Schritten den Weg durch den tiefen Schnee bahnte. Es war zwar eine anstrengende, aber machbare Arbeit, denn so viele Kinder lebten noch nicht im Land und von weit her musste er auch nicht reisen. Ließ man ihm doch tief im nahe gelegenen Wald, wo er das Jahr über hauste, seine Ruhe.
Es war also an einem Heiligen Abend
in jener Zeit, da befand sich der Weihnachtsmann auf seiner Runde, um die
Kinder eines besonders braven Köhlers und Waldbauern zu beschenken, als alles
ein wenig anders wurde.
Der stattliche Mann in seiner roten
Robe trat aus dem dichten Wald auf die Lichtung, auf der sich das Anwesen
besagter Familie befand. Aus der Ferne sah er bereits die hell erleuchteten
Fenster der behaglichen Wohnstube, so dass er seinen Schritt etwas beschleunigte,
um bald den wärmenden Schnaps des Hausherrn zu erhalten. Damals hatte der
Geschenkebringer noch für einen kleinen Plausch mit den Eltern Zeit, um sich
über das Verhalten der Kinder auszutauschen. Als der Weihnachtsmann aber gerade
die Stallungen passierte, hörte er aufgeregtes Grunzen. Neugierig öffnete er
die Stalltür, wisperte leise einen Zauberspruch, sodass die Spitze seines
Zeigefingers schwach, aber hell genug leuchtete, um sich im Stall umzuschauen. Siehe
da: Dort war ein Schwein, welches grunzend und quieckend versuchte aus dem
Gatter auszubrechen. Erneut sprach der bärtige Mann magische Worte und nun
verstand er die Laute des Borstentiers: Nicht ins Haus! Nicht ins Haus!
Waldwichtel warten! Wollen dir schaden! Wollen dir schaden!
Es dauerte eine Weile, bis er das arme Tier
etwas beruhigt hatte und sich ein Bild über die Lage verschaffen konnte. Eine
Horde fieser Waldwichtel hatte ihm einen Hinterhalt bereitet und hielt dazu die
Familie im Haus fest. Die kleinen Kobolde hatten es auf den Sack voller Gaben
abgesehen. Doch so einfach sollten es diese Wichte nicht haben. Er wollte ihnen
eine Lektion erteilen. Der Weihnachtsmann löste seine Rute und sprach erneut
einen Zauberspruch. Die Rute wackelte und zwackelte und siehe da: Plötzlich
schwebten zwei Ruten in der Luft, die beide wiederum wackelten und zwackelten
und hoppla hopp waren es vier. So ging es, bis der ganze Stall voller Ruten
hing. Mit dem Wink seines Zeigefingers jagten die Ruten schließlich aus der Stalltür
ins Haus, welches nach kurzer Zeit von Klopfen und Wehklagen erfüllt war.
Rettung suchend flüchteten die Wichtel in den Wald. Doch vergebens. Die Zweigebündel
fanden sie auch dort und trieben sie vor sich her, in Richtung Heimstätte des
Weihnachtsmanns. Dort sollten sie für ihre Missetat büßen, indem sie ihm auf
allezeit zu Diensten waren.
Schließlich trat der Weihnachtsmann
selbst ins Haus, fand die Familie unversehrt und bescherte ihnen die Gaben.
Groß war die Freude, es gab sogar ein extra Gläschen Schnaps und fröhlichen Weihnachtsliedergesang.
Schließlich bot der Herr des Hauses dem Retter an, gemeinsam den Jahreswechsel
zu feiern. Es würde sogar ein Schwein geschlachtet und es gäbe Essen in Hülle
und Fülle. Ob es sich um das Schwein im Stall handele, das geschlachtet werden
solle. Ja, natürlich, ein anderes habe man nicht. Da wurde der Weihnachtsmann
ernst. Als Lohn für die Rettung verlange er eben diese Sau. Der Vater war
verunsichert und zögerte. Der Bauer müsse sich keine Sorgen machen, die Familie
werde deshalb nicht darben müssen. Dafür werde er, der Weihnachtsmann, schon
sorgen. Nun schickte der Vater den ältesten Sohn, um die Sau zu holen, denn an
den Worten des sonst auch so großzügigen Mannes war nicht zu zweifeln.
Das Schweinderl konnte sein Glück
kaum fassen, als es mit dem Weihnachtsmann von dannen zog, der mit schweren
Schritten seinen Schlitten zur nächsten Bescherung zog. Es könne ihm doch
helfen, grunzte es, schnappte sich kurzerhand den Strick aus der Hand des alten
Mannes und trabte mit dem Schlitten und dem Sack davon. Verdutzt folgte der
Weihnachtsmann seinem neuen Begleiter und in guter Zeit hatten sie alle
Familien an diesem Abend besucht. Von nun an sollte das ungleiche Paar jede
Weihnacht gemeinsam seine Runde machen. Die Kinder freute das so sehr, dass
schon bald in vielen Stuben handgemalte Bilder vom Weihnachtsmann und seinem
Schwein hingen.
So hätte es bis in unsere Zeit
weitergehen können, jedoch kam es anders: Die Bevölkerung begann zu wachsen und
die Menschen brauchten mehr Platz zum Leben und drangen immer tiefer in die
Wälder ein. Der Weihnachtsmann war gezwungen, wollte er seine gewohnte Ruhe
behalten, sich immer tiefer immer nördlicher in immer unwegsameres Gebiet
zurückzuziehen. Aufgrund der größeren Zahl an Kindern war die Arbeit am
Heiligen Abend zudem beschwerlicher geworden. Zuerst verzichtete der
Weihnachtsmann auf seinen geliebten Schnaps, um die Runde pünktlich absolvieren
zu können. Doch mehr Kinder brauchen auch mehr Geschenke, also war ein größerer
Schlitten von Nöten. Diesen wiederum konnte das Weihnachtsschwein nicht mehr
alleine ziehen. Hilfe kam von ein paar Rentieren, die der Weihnachtsmann im letzten
Winter, der besonders hart war, durchgefüttert hatte. Jedoch stießen auch diese
bald an ihre Grenzen, sodass der Rotgewandete gezwungen war, Magie anzuwenden.
Von nun an sollte er mit einem fliegenden von Rentieren gezogenen Schlitten
unterwegs sein, so wie wir es kennen.
Wo aber war das Schwein? Der Zauberspruch,
der die Rentiere zum Fliegen brachte, versagte leider bei dem schweren
Borstentier. Während also sich der Weihnachtsmann mit seinen Rentieren durch
die Lüfte schwang, musste es am Boden bleiben, allein im tiefen Schnee bei
Eiseskälte. Dem alten Herrn brach es das Herz, seinen geliebten grunzenden
Gefährten immer wieder zurückzulassen.
Weihnachten rückte erneut einmal näher,
seine Wichtel, die er einst mit Ruten vom Hof des Waldbauers getrieben hatte
und nun fleißige und zuverlässige Helfer geworden waren, packten schon die ersten
Geschenke in den riesigen Sack, als es an seine Tür klopfte. Dort stand ein
pechrabenschwarzer Wichtel. Er war einst der Anführer der Horde gewesen und
hatte eine besondere Aufgabe erhalten. Der Weihnachtsmann hatte nämlich begonnen,
die Gaben nicht mehr persönlich abzuliefern, dazu war keine Zeit mehr, sondern
sie durch die Schornsteine in die Stuben zu zaubern. Dazu mussten die Schlote
aber frei und sauber sein und dafür sorgte in der Adventszeit der Schwarze
Wichtel, der mit seinem Zylinder, seinem schwarzen Rock und der kleinen Leiter
ein wenig an den uns bekannten Schornsteinfeger erinnerte.
Er habe seine Arbeit erledigt,
Weihnachten könne kommen, berichtete er. Zufrieden nickte der Weihnachtsmann,
griff in den Sack, um ein kleines Geschenk der Anerkennung herauszufischen.
Aber, fuhr der Wichtel fort, er wisse nicht, ob er es im nächsten Jahr auch
wieder rechtzeitig schaffen werde, da die Zahl der Häuser jedes Jahr zunehme.
Es sei eine rechte Hetzerei. Wenn seine Füße von der ganzen Lauferei nur nicht so
schmerzen würden, klagte der fleißige Wicht. Der Weihnachtsmann hielt inne – er
glaube, eine Lösung zu haben und lies einen leisen Pfiff ertönen. Sogleich bog
das Schwein um die Ecke. Ob es sich vorstellen könne, statt Schlitten zu ziehen
den Schwarzen Wichtel beim Schornsteinfegen zu begleiten?
Die Antwort ist bekannt: Seit diesem Tage sind der kleine Schornsteinfeger und das Schweinchen gemeinsam unterwegs. Welch ein Glück!
Mehr Sagen und Geschichten in meinem Erzählband "Wie die Isarflößer das Surfen erfanden". Jetzt im Buchhandel oder direkt beim Volk Verlag München erhältlich!
Der Ursprung des Weihnachtsmanns
Der Weihnachtsmann – ein runder
alter Mann mit weißem Bart in rotem Mantel und mit roter Mütze auf einem
Rentierschlitten, der vom Nordpol aus alljährlich die Kinder der Welt beglückt,
so kennt man den festlichen Gabenbringer. Skeptiker werden aber nicht müde zu
behaupten, dass der so beschriebene Weihnachtsmann eine Kunstfigur sei, die von
einem amerikanischen Limonadenhersteller erfunden worden ist.
Man möchte ihnen Recht geben,
allerdings nicht in allen Punkten. So gibt es durchaus ein historisches Vorbild
für den kitschigen Mann mit Rauschbart. Hier kommt es jedoch auf die Details
an. Und zwar nicht nur, was die Herkunft und die Kleidung, sondern auch die
tierische Begleitung angeht.
Oft wird gesagt, dass der Ursprung
für den Weihnachtsmann beim heiligen Nikolaus liege. Stimmt, aber nur indirekt.
Vielmehr tritt der Weihnachtsmann das erste Mal auf, als St. Niklas abtreten
muss.
Es war in einem kleinen Örtchen im
heutigen Thüringen, welches aufgrund der Reformation plötzlich allen
katholischen Bräuchen eine Absage erteilte. Dies betraf auch die
Heiligenverehrung und somit zwangsläufig den Heiligen Nikolaus. Wo kein
Nikolaus, da auch kein gefüllter Stiefel am Nikolausabend. Mag die Abkehr aus
politisch-theologischer Sicht nachvollziehbar gewesen sein, für die Kinder war
es ein herber Verlust. Es fehlten sodann nicht nur Apfel, Nuss und Mandelkern,
sondern auch das wohlige Schaudern vor der Rute und der Frage, wer von den
Lausbuben, und natürlich auch Lausmädchen, vielleicht in den Sack gepackt
werde.
Während die meisten Erwachsenen und
Eltern diese einschneidende Veränderung mit einem gleichgültigen Schulterzucken
akzeptierten, wie sie als kleine Untertanen schon so oft und schon so vieles in
ihrem Leben akzeptieren mussten, gab es in besagtem Ort einen schmächtigen,
einfühlsamen Dorflehrer, der die Trauer der
Kinder nicht hinnehmen wollte. Er grübelte, wie er die gerissene Lücke
schließen konnte.
Als wieder einmal der Kirchenchor
zu seinen Proben für die Adventslieder in der Schule zusammengekommen war,
stellte er ihnen seinen Plan vor. Die anfängliche Skepsis wich schnell großer
Begeisterung, da sich plötzlich viele die schönen Nikolausabende ins Gedächtnis
riefen und erkannten, dass ihren Kindern etwas fehlte. Selbst der Pfarrer war
begeistert, wies aber darauf hin, dass der neue Gabenbringer dem Nikolaus nicht
zu sehr ähneln durfte, um Ärger mit der Obrigkeit zu vermeiden.
Er habe auch noch einen roten Anzug
übrig, warf der Schneider ein, den ein Geschäftsmann aus der Nachbarstadt
geordert hatte, aber plötzlich am Herztod gestorben wäre. Die Motten hätten
jedoch die Ränder schon angenagt. Da meinte der Schäfer, dass er gerne etwas
Lammfell zur Behebung der Schäden beisteuern wolle. Außerdem könne sich das
Lehrerlein mit weiteren Lammfellresten einen Bart basteln, sodass ihn die
Kinder nicht gleich erkennen würden. Eine rote Schlafmütze mit Lammfellrand
sollte die Verkleidung komplettieren. Das unterscheide ihn klar vom Nikolaus
und seiner Mitra, Bischofsstab und goldenem Gewand. Ein begeistertes Prost
besiegelte den Plan.
Alle Eltern sollten zudem aufgerufen werden, kleine Geschenke für die Kinder beizusteuern. Emsig machten man sich ans Werk.
Bald schon war Weihnachten. Der
Lehrer hatte die Tage in der nahen Residenzstadt verbracht, da sein Dienstherr
alle Bediensteten kurzfristig zu einer Schulung einberufen hatte. Dies hatte
zur Folge, dass der zukünftige Weihnachtsmann keinen Einfluss mehr auf die
Vorbereitungen für den Heiligen Abend treffen konnte. Da er jedoch erst kurz
vor Dämmerungseinbruch wieder heimkehrte, blieb auch für Rücksprache keine
Zeit. Als er zu Hause ankam, sah er, dass seine Sorge unbegründet gewesen war:
Unter dem Vordach an seiner Hintertür lehnte der Sack mit den Gaben, daran
lehnte eine Rute und darauf lag das rote Gewand samt Bart und Mütze.
Geschwind entledigte er sich seinem
Reisegepäck und schlupfte in das Kostüm, doch oh Schreck! Der verblichene
Geschäftsmann hatte wohl einen deutlich größeren Bauchumfang gehabt, das
Oberhemd reichte dem Lehrerlein bis an die Knie und die Hose schlapperte im
Wind. Der designierte Gabenbringer war jedoch nicht auf den Kopf gefallen: Er
stapfte kurzerhand durch den tiefen Neuschnee zum benachbarten Bauern und bat
ihn um mehrere Handvoll Stroh, mit dem er das Gewand ausstopfte. Der Nachbar
half ihm auch den Bart aus Lammfell festzuzurren und die Mütze zu fixieren.
Voller Tatendrang kehrte der Rotgewandete zurück, um den Sack zu schultern und
die Kinder aufzusuchen. Jedoch kam das schmächtige Lehrerlein in seinem Stroh
gestopften Kleid nicht weit, konnte er doch trotz allen Kraftaufwands den Sack
nicht mehr als ein, zwei Meter tragen, dann musste minutenlang verschnaufen. In
diesem Tempo würde er kaum alle Familien in der Nacht besuchen können. Er hatte
ja noch nicht einmal seinen Garten verlassen.
Plötzlich hörte er Schritte im
Schnee. Der benachbarte Bauer hatte das vergebliche Bemühen beobachtet und
daraufhin aus seinem Schuppen den Lastenschlitten geholt. Zu zweit gelang es
den beiden, den Sack auf das Gefährt zu hieven. Doch auch jetzt noch war das
Lehrerlein zu schwach, um den Schlitten fortzubewegen. Der Bauer jedoch konnte
ihn nicht begleiten, denn seine Frau lag krank im Bett. Alle anderen Männer
waren bereits im Kreise ihrer Familien beim Adventslieder singen. Auch konnte
ihm der Landwirt seinen Ochsen für den Schlitten nicht zur Verfügung stellen,
da dieser sich das Bein verstaucht hatte. Nun war guter Rat teuer. Stumm
sinnierten die beiden in der kalten Winternacht. Die Stille wurde nur durch das
Grunzen der Schweine des Bauern unterbrochen, die noch ganz aufgeregt waren,
weil er seinen Schlitten mitten in der Nacht aus dem Stall herausgeholt hatte.
Plötzlich rannte der Bauer los. Minuten später kam er mit einer Sau im Schlepptau zurück. Damit sollte es gehen, meinte er und spannte das Tier ins Geschirr. Und siehe da, das überaus zahme Borstentier zog bereitwillig den Schlitten über die verschneiten Wege.
Das etwas schräge Paar hatte großen Erfolg. An den Fenstern lugten leuchteten Kinderaugen hervor, die den roten Mann mit seinem Schwein beobachteten, wie er all überall Gaben und Geschenke brachte. Von nun an sollte der Weihnachtsmann, wie er alsbald genannt wurde, regelmäßig kommen. Bald schmückten sein Bild jede Stube: der dicke rote Mann mit Rauschebart auf einem Schlitten gezogen von einem Schwein.
Schnell sprach sich dieser wundersame neue Brauch in der Gegend herum. Die Geschichte erreichte auch das Städtchen Sonneberg, welches für seine Spielzeugproduktion, dem „Nürnberger Tand“ weit und breit bekannt war. Die wichtigen Herren der Stadt fanden großen Gefallen an der Idee, dass es nun zu Heiligabend ein gewichtiger Gabenbringer Geschenke an die Kleinen verteilen sollte. Warum aber sollten das nur Nüsse und Lebkuchen sein, Spielzeug wäre doch auch eine Option. Irritiert waren sie allerdings von dem Begleiter des so genannten Weihnachtsmanns. Ein Schwein passte so gar nicht in ihre herrschaftliche Vorstellung. Schnell einigte man sich darauf, die Sau durch stattliche Hirsche, die den fliegenden Schlitten im Verbund ziehen sollten, zu ersetzten. Auch sollte der Weihnachtsmann mystischer werden und so wurde sein Wohnort, der bisher irgendwo im thüringischen Wald lag, an den Nordpol verlegt.
Kaum war die Marketingmaschine angelaufen, dominierte bald das neue Bild des Weihnachtsmanns, welches im Jahre 1900 auch auf der Weltausstellung in Paris vorgestellt wurde. Dort sah es ein US-Amerikaner, der für einen Limonadenhersteller arbeitete, und der Rest ist Geschichte.
Das Weihnachtsschwein hatte leider
nur eine kurze Blüte. Allerdings war unter den ersten Kindern, die von ihm und
dem Weihnachtsmann beschenkt worden waren, eine Junge, der später eine Karriere
als Konditor in Lübeck machen sollte. Da er es sehr schade fand, dass das
Weihnachtsschwein so unwürdig abserviert worden war, er es aber in schöner
Erinnerung hatte, verschaffte der dem Schweinchen eine neue Aufgabe: Von nun an
war es der ständige Begleiter der Schornsteinfegerfigur, die er als
Neujahrsglücksgruß zwischen seinen Kuchen und Torten anbot. Als rosa
Marzipanfigur mit Glückspfennig im Maul war das Schwein bald sogar beliebter
als einst. Und ist es bis heute. Welch ein Glück!
Montag, Dezember 20, 2021
Münchner neueste Sagen IX – Schwarze Magie und meisterliche Braukunst
Alljährlich versammeln sich auf dem Nockherberg die Pilger, um den heiligen Salvator zu huldigen und freudig zu lauschen, wie den Großkopferten die Leviten gelesen werden. Der Ursprung dieses Brauchs ist einem Zufall geschuldet und einem wackeren Mönch, der es sogar mit Schwarzer Magie aufnahm. Während man den Namen des Bruder B. noch kennt, so ist vom Missetäter jener Zeit nur ein Steinrelief geblieben, das sich am Fuße des Nockherbergs hinter Büschen versteckt.
Welche Rolle dabei der Nagel vom Kreuze Christi spielt, erfährt man im Erzählband „Wie die Isarflößer das Surfen erfanden – Münchner neueste Sagen“. Gibt´s jetzt im Buchhandel oder direkt beim Volk Verlag.
Ja, auch ein Bilderbuch kann man vorlesen - sogar vor vollem Haus
Trotz besten Eis-Ess-Wetter - oder vielleicht genau deswegen - fanden sich bei der ersten Lesung aus "Lass das, Hass!" so viele k...
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Einen Ausschnitt aus meinen Material findet sich jetzt auf dem Videoportal Vimeo. Klicke hier ! oder hier . Viel Spaß!
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"Lass das, Hass!" - mein neuestes Buchprojekt ist fertig. Ganz frisch aus der Druckerei macht sich nun der kleine Hass auf, um di...